Der Berg kommt zum Propheten


Höchster Kreisblatt vom 23. Februar 2012


Die verkürzte Gymnasialzeit führt zu einem ungewöhnlichen Angebot


Klavierunterricht und Gitarrenstunde sollen nicht am vollgepackten Stundenplan scheitern. Deshalb geht die Musikschule im neuen Schuljahr nach den Sommerferien mit der Weingartenschule gemeinsame Wege.

Von Ulrike Kleinekoenen


Kriftel. Die Verkürzung der Gymnasialzeit auf acht Jahre, die mit zusätzlichem Unterricht auch nach der Mittagspause verbunden ist und auch die Ausweitung der Nachmittagsbetreuung der Gesamtschüler, wird sich langfristig auch negativ auf die Schülerzahlen der Musikschule auswirken. Davon ist Johann Georg Schröder, der Vorsitzende des Kulturforums, unter dessen Dach die Musikschule firmiert, fest überzeugt. Und die Klagen von manchen Eltern, dass ihre Kinder, wenn, dann erst am späten Nachmittag Klavierunterricht nehmen könnten und zum Üben eigentlich kaum Zeit bleibe, die haben den Vorstand des Kulturforums zusätzlich bestärkt, nach alternativen Wegen zu suchen, Kindern die Möglichkeit zu geben, ein Instrument zu erlernen. "Wenn der Propheten nicht zum Berg kommt, dann muss der Berg eben zum Propheten kommen", bringt Musikschulleiter Peter Schmutzler die Idee auf den kurzen Nenner, den Unterricht in die Gesamtschule zu verlegen. In der kommissarischen Leiterin Silvia Schmidt habe er gleich eine sehr kooperative Gesprächspartnerin gefunden, die der Initiative sehr aufgeschlossen gegenübersteht, sagte Schröder gestern vor der Presse.

In der freien Zeit

Im Laufe der Zeit wurden die ersten Überlegungen immer mehr verfeinert und nahmen insoweit Gestalt an, dass alle Beteiligten davon profitieren können. Zunächst einmal die Schüler, die ihre freie Zeit zwischen Mittagessen und AG auch noch sinnvoll überbrücken können, um Schlagzeug oder E-Bass zu lernen. Berufstätige Eltern werden entlastet und müssen nicht noch organisieren, dass der Nachwuchs zur Gitarrenstunde kommt. Und auch für die Musiklehrer ist es von Vorteil, das sie nicht erst bis zum späten Nachmittag warten müssen, bis ihre Schüler zum Unterricht kommen. Für den Musikschulleiter liegt der Vorteil auf der Hand, zusätzliche Räume der Weingartenschule nutzen zu können, während sich Silvia Schmidt darüber freut, dass das angesehene Orchester der Musikschule ins Haus kommt, dem sie die Aula für die Proben zur Verfügung gestellt hat. Dort sollen auch Weingartenschüler mitspielen können, selbst wenn sie keinen Unterricht bei der Musikschule nehmen.

Nach den Sommerferien soll die Kooperation anlaufen, dann sollen Weingartenschüler die Möglichkeit erhalten, entweder Klavier, Gitarre, Klarinette, Saxofon, Trompete, Posaune, Querflöte, E-Bass oder Schlagzeug zu lernen. Unterrichtet wird in Kleingruppen von je zwei bis drei Schülern. Was es kostet, das steht noch nicht genau fest. "Wir versuchen gerade, ob wir auch öffentliche Töpfe anzapfen können", sagte Kulturforum-Chef Schröder.

Zuschuss der Schule

Die Weingartenschule hat auch schon einen Zuschuss in Aussicht gestellt. Günstiger als die normalen Kurse, die parallel weiterlaufen sollen, wird es auf jeden Fall. Von dem Bonus sollen natürlich nur die Gesamtschüler profitieren. Als weiteres Projekt zwischen Kulturforum und Weingartenschule soll auch eine Theater-AG mit Gruppenunterricht und Pantomime angeboten werden. Weitere Fragen beantworten die Musiklehrer der Weingartenschule und der Musikschule.