Lotto-Gewinn für Musikschule


Höchster Kreisblatt vom 07. März 2012

Nicht abgeholtes Geld macht's möglich

Der Scheck über 5000 Euro ist eine kleine Entschädigung, die jedoch nichts an dem Missstand ändert, dass es keine öffentlichen Zuschüsse für die Einrichtung gibt. Grund: Die Musikschule wird ehrenamtlich geleitet.

Von Ulrike Kleinekoenen

Kriftel. Staatsminister Axel Wintermeyer (CDU) hat offenbar mitbekommen, dass hier Handlungsbedarf besteht. Daher will sich die Landespolitik nicht unglaubwürdig machen, die gerne betont, dass sie die Förderung des Ehrenamtes noch stärker in den Blick nehmen möchte. Johann Georg Schröder, der Vorsitzende des Kulturforums, unter dessen Dach die Musikschule firmiert, hatte im Dezember 2011 deshalb die Staatskanzlei nach Wiesbaden besucht, um an oberster Stelle auf einen "Missstand" hinzuweisen, der ihm schon lange ein Dorn im Auge ist.

Worum geht's? Zwei Mal schon hatte die Musikschule die Aufnahme in den Verband deutscher Musikschulen beantragt. "Die Mitgliedschaft wäre für uns die Eintrittskarte für die öffentliche Förderung gewesen", erklärt Schröder. Immerhin können die dem Verband angehörenden Schulen mit regelmäßigen Zuschüssen rechnen. Doch egal wie es Schröder auch in seinen Anträgen formulierte, beide Male gab es eine Absage, jeweils mit der gleichen Begründung, dass nur Musikschulen in den Verband aufgenommen werden, deren Leitung in einem festen Angestelltenverhältnis steht. Doch damit kann die Krifteler Musikschule nicht dienen, die seit vielen Jahren von dem hochqualifizierten Musikpädagogen Peter Schmutzler geführt wird – nicht in einem Angestelltenverhältnis, sondern auf Honorarbasis. "Eine hauptamtliche Beschäftigung können wir uns gar nicht leisten", stellt Schröder klar, der auch gleich mal unterstellt, dass Peter Schmutzler eine mindestens so exzellente Arbeit leiste wie ein Hauptangestellter in einer geförderten Einrichtung. Hinzu kommt, dass die Krifteler Musikschule öffentliche Mittel gut gebrauchen könnte, da sie seit Jahren rote Zahlen schreibt. Das Defizit, das sich regelmäßig zwischen 7000 und 12 000 Euro bewegt, muss immer wieder durch das Kulturforum ausgeglichen werden. Und damit das Haushaltsloch nicht noch größer wird, wurden im vergangenen Jahr die Gebühren für Erwachsene angehoben. Das Spielen in den Ensembles ist auch nicht mehr durchgehend kostenlos, teilweise zahlen die Musiker dafür 20 Euro pro Halbjahr.

Das Gespräch in der Staatskanzlei war zwar nicht so erfolgreich, wie es der Gast aus Kriftel sich erhofft hatte. Er hat jedoch Verständnis für die Argumente Wintermeyers, dem es nicht möglich ist, der Krifteler Musikschule die Tür zu dem Verband zu öffnen. "Wir können hier kein Lex Kriftel schaffen", hatte Wintermeyer verdeutlicht, dass es keine Ausnahmeregelung gibt. Dennoch entließ der Hofheimer den Besuch damals nicht ohne den Hinweis auf die Möglichkeit der projektbezogenen Förderung. Schröder fiel es nicht schwer, Beispiele zu benennen, wo es klemmt und wo die Musikschule Unterstützung braucht. Da ist das Musikschulorchester, das sich im Aufbau befindet und weitere Instrumente benötigt. "Unter anderem brauchen wir zwei Kesselpauken, die zusammen 3000 Euro kosten und die wir uns alleine nicht leisten könnte", sagt Schröder.

Recht zügig kam jetzt die gute Botschaft aus der Staatskanzlei, dass die Musikschule Geld aus der "Lotto-Tranche" bekommt. Das sind die nicht abgeholten Lottogewinne, die bei der staatlichen Lotterie an das Land zurückgehen, das damit kulturelle und sportliche Projekte unterstützt. Am Freitag kam der Staatsminister persönlich zu einer kleinen Musikstunde ins Wittwer-Haus, um Schröder und dem Musikschulleiter Schmutzler den Scheck über 5000 Euro zu überreichen. Einige Schüler der Musikschule, die dem prominenten Gast etwas vorgespielt hatten, lauschten anschließend recht andächtig, als sich der Minister noch selbst an den Flügel setzte und ein Stück von Mozart spielte.