Ein Hochgefühl pur


Höchster Kreisblatt vom 17. August 2012

Die Musikschule öffnet am Wochenende ihre Türen

Egal, ob Kleinkind oder Senior: Wer Musik macht, hat mehr vom Leben. Weshalb, das erklärt Peter Schmutzler, Leiter der Einrichtung.

Von Kristiane Huber


Ganz aufrecht und aufmerksam sitzt die kleine Charlotte auf den Schemel vor dem riesigen Klavier. Weil die Füße der Siebenjährigen weit über dem Boden baumeln würden, finden sie Halt auf einem stabilen Extra-Podest. Ihre kleinen Hände spreizt das Mädchen so weit es geht, um alle Tasten zu erwischen, die sie für eine Klangfolge braucht. Seit fast zwei Jahren schon hat sie Unterricht bei Peter Schmutzler, dem pädagogischen Leiter der Musikschule Kriftel.

"Er macht das so toll kindgerecht", lobt ihn Charlottes Mutter Maud Schlosser. So hat die Kleine in ihrem Notenheft ein Arrangement von ihm stehen, das musikalisch das Pippi-Langstrumpf-Motiv aufgreift. Verziert ist das Notenblatt mit Zeichnungen von Pippis Begleitern, dem Schimmel "Kleiner Onkel" und dem Affen "Herrn Nielson". "Durch solche Anknüpfungspunkte wird der Zugang zur Musik für die Kinder leichter", sagt Schmutzler. "Seit Charlotte an der Musikschule ist, ist sie noch fröhlicher", hat ihre Mutter beobachtet.

Keine Altersgrenze

Am morgigen Samstag, 18. August, wird sich die Musikschule bei einem Aktionstag mit ihrem breitgefächerten Angebot präsentieren (siehe Info-Kasten). "Die Jüngsten unserer 230 Musikschüler sind anderthalb Jahre alt, die Musikzwerge; der Älteste ist 80 Jahre alt. Wir haben keine Altersgrenzen", sagt Schmutzler. Während die Pampers-Fraktion der Musikzwerge und die Kinder in der musikalischen Früherziehung ab drei Jahren vor allem erst mal ein Rhythmusgefühl entwickeln, widmen sich die Erwachsenen, die 20 Prozent der Musikschüler stellen, schon eher dem klassischen Gesang. Ein Schwerpunkt der Musikschule, die zum Verein Kulturforum Kriftel gehört, ist aber der Instrumentalunterricht. "Zu den Rennern gehören die akustische Gitarre und Klavier, aber auch E-Gitarre, Schlagzeug und Saxofon", sagt Schmutzler. 19 diplomierte Musiker bieten als Pädagogen den Unterricht der Musikschule vorwiegend in den Räumen der Weingarten-Schule an. "Die Preise für unsere Kurse liegen im mittleren Segment, damit arbeiten wir noch lange nicht kostendeckend. Zum Teil subventioniert uns die Gemeinde Kriftel. Dafür kann sich unsere Qualität und unsere Angebotspalette auch mit anderen Kommunen mehr als messen", meint Schmutzler. In Sachen Musik rät der erfahrene Pädagoge: "So früh wie möglich anfangen." Er sagt: "Musikunterricht und das Erlernen eines Instruments sind für Kinder entwicklungsfördernd sowie werte- und charakterbildend." Schmutzler verweist auf wissenschaftliche Langzeit-Studien, die belegen, dass Kinder, die ein Instrument spielen, konzentrierter, aufnahmefähiger, geschickter und besser in der Schule sind als nicht-musizierende Altersgenossen. "Ein Instrument zu beherrschen, begleitet einen ein Leben lang und ist ein einmaliges Erlebnis. Und über das Musizieren mit Anderen zusammen geht sowieso nichts, das ist Hochgefühl pur", findet auch der Privatmann Schmutzler. Gerade in der heutigen Zeit sei das wichtig. "Unterhaltungstechnisch sind viele Kinder und Jugendliche heute Ich-AGs, die stundenlang vor dem Computer sitzen und auch mit Freunden oft nur noch digital Kontakt haben. Gemeinsam Musik zu machen, ist ein tolles Alternativ-Programm."