Schüler üben Posaune und Pantomime


Pressemeldung vom 05. November 2012

Chronologisch war dieses Mal das Programm des Lehrerkonzertes der Musikschule Kriftel aufgebaut, und es war eine Freude, Christopher Hardt und seinem sauberen und einfühlsamen Violinspiel zu lauschen. Die Übergänge vom Adagio zum Moderato oder Vivace in der Sonate g-moll von Henry Purcell gelangen ihm vollendet - ergänzt wurde sein Spiel von Regina Burkert am Flügel (eine Begleitung am Cembalo wäre noch authentischer und wirkungsvoller gewesen).

Eine spannungsvolle Atmosphäre war zu spüren bei Thorsten Müllers Interpretationen auf der Konzert-Gitarre. Man wurde entführt in das 17.Jahrhundert - am Brunnen sitzend, tanzend, träumend, einen guten Schluck Wein trinkend, zuhörend. Ebenso konnten die Zuhörer sich in die Charakterstücke des südamerikanischen Komponisten Astor Piazzolla (dem Begründer des Tango Nuevo) hineindenken und ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Andre Pinzon interpretierte zwei Stücke aus „L’histoire du Tango” zusammen mit Gisela Jähngen (Gitarre) mit gewohntem Temperament.

Wunderschön spielten Florian Mann (Violoncello) und Dejana Pejkovic (Klavier) das Fantasiestück Nr.1, op.73 von Robert Schumann und „Lied ohne Worte” op.109 von Felix Mendelssohn-Bartholdy! Florian Manns weicher Cello-Ton harmonierte vortrefflich mit der Begleitung am Klavier – ein wahrer Genuss!

Leider war die Interpretation der Gesangsstücke von Gerlinde Egli nicht überzeugend: Zu sehr hing die Mezzosopranistin (mit wohlklingender Tiefe) an den Noten. Auswendig gesungen hätten ihre Vorträge mehr Wirkung erzielt. Allerdings machte Regina Burkert als Begleiterin auf sich aufmerksam - sie ist eine äußerst begabte Partnerin! Und auch Wolf Deuter ließ das Publikum wieder aufhorchen mit den bestechenden Tönen, die er seinem Saxophon entlockt: warm, nie zu laut, sanft, ja auch sexy war seine Interpretation von „Loverman“ von Jimmy Davis und „Another Story“ von Bastian Fiebig.

Und dann folgte ein fabelhafter Beitrag mit drei Mitgliedern der Band „Blind Foundation“! Ja, Manfred Scharpenberg (Schlagzeug und Leadvocals) und Mohamed Metwalli (Klavier, Backingvocals) sind blind. Ihre Interpretationen sind voller Leben und virtous – sofort sprang der Funke auf die Zuhörer über. Manfred Scharpenberg traf mit seinem Gesang den Charakter der Stücke, sei es „Georgia on My Mind“, „Leaving on a Jet Plane“ oder „N’oubliez jamais“. Mohamed Metwalli flog dabei regelrecht über die Tasten, und Markus Hofmann ergänzte das Spiel auf dem E-Bass. Eine Zugabe war unumgänglich, und Eric Claptons melancholische Komposition „Wonderful Tonight“ passte hervorragend zum grauen Novembertag: Auf die Seele und das Gefühl kommt es an.

Aber wo waren die Schüler und Eltern an diesem Vormittag? Die Lehrer der Musikschule des Kulturforums haben eine größere Zuhörerschaft verdient – sorgen sie doch aufgrund ihrer Qualifikation für eine gute musikalische Ausbildung ihrer Schüler, und es ist gut, dieses Können in einem Konzert vorzustellen.

Carola Dettmar